Honorare für Vertretungsärzte

Eine Lodhiamedics - Fortbildung

Rahmenbedingungen von Honorarvertretungen

Ärzte als freie Mitarbeiter werden in der Regel eingestellt, um personelle Engpässe während einer Krankheit, in der Urlaubszeit oder einer Personalfluktuation zu überbrücken, bis eine dauerhafte Lösung gefunden werden kann. In der Regel wird in einem solchen Fall zwischen der medizinischen Einrichtung und dem auf Honorarbasis tätigen Arzt ein Honorarvertrag geschlossen. Die Rahmenbedingungen eines Honorarvertrages unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von einem festen Arbeitsverhältnis. Dies lässt sich aus der Tatsache erklären, dass sich Honorarärzte als freie Mitarbeiter in einer spezifischen Steuer- und Vorsorgesituation befinden. Der gesamte Versicherungsschutz, die Altersvorsorge und die Krankenversicherung sind vollkommen allein von dem Honorararzt zu tragen. Ebenso wie die Werbungskosten, die aufgewendet werden müssen, um einen Auftrag zu generieren. Ein Honorarvertrag beinhaltet deshalb nicht nur die Aspekte der Honorarvergütung, sondern klärt auch, wie sichergestellt werden kann, dass die Honorarvergütung nicht unmäßigen Belastungen ausgesetzt wird. In der Regel wird deshalb entweder die Unterkunft für einen Honorararzt gestellt, oder eine Unterkunftspauschale pro Arbeitstag gezahlt. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte aufgeführt, die die Einnahmen eines freien Mitarbeiters mit Facharztankerkennung ausmachen.

Facharztbezeichnung

Bei Honorarvertretungen spielt die benötigte Facharztbezeichnung eine wesentliche Rolle zur Veranschlagung eines üblichen Honorars. Es ist zweckdienlich, zwischen einer schwachen und einer starken Honorargruppe zu unterscheiden. Das Unterscheidungskriterium hierbei ist die Honorarhöhe pro Stunde Arbeitszeit, die von einem Facharzt mit bestimmter Qualifikation erbracht wird. Die schwache Honorargruppe bilden Fachärzte der Bereiche Allgemeinmedizin, Gynäkologie, Innere Medizin und Pädiatrie. In der Regel wird für einen Facharzt der oben definierten schwachen Honorargruppe eine Vergütung von 65€/Stunde als Untergrenze gezahlt. Wenn eine Versorgungssicherheit durch einen Facharzt der genannten Facharztrichtung garantiert werden soll, empfehlen wir eine Vergütung von 80€ pro Stunde. Diese Vergütungshöhe geht davon aus, dass zusätzlich zur Facharztqualifikation kein besonderer Schwerpunkt vorliegen muss und keine Zusatzbezeichnungen und Zusatzqualifikationen nötig sind. Ausgangspunkt ist hier, dass die ärztliche Tätigkeit in der entsprechenden Praxis im vollen Umfang und im Hinblick auf das Patientenwohl durchgeführt werden kann, ohne das auf Fertigkeiten zurückgegriffen werden muss, die über die entsprechende Facharztausbildung hinaus gehen. Bei Schwerpunktpraxen, die Schwerpunkte innerhalb der oben genannten Facharztbezeichnungen oder notwendige Zusatzbezeichnungen voraussetzen, steigt diese Vergütungsempfehlung auf eine Untergrenze von 80€ pro Stunde, 90€/Stunde als ideale Vergütung und 100€/Stunde in dringenden Notfällen. Bei der starken Honorargruppe, die alle Facharztbezeichnungen umfasst, die nicht zu den oben genannten Facharztbezeichnungen gehört, ist als untere Empfehlung ein Stundensatz von 80€ angemessen. Um die Versorgung einer Praxis mit einem Honorararzt dieser Gruppe wahrscheinlicher zu machen, sollten 90€ pro Arbeitsstunde als Honorar zugrundegelegt werden. 100€ pro Arbeitsstunde wird von uns empfohlen, um die Versorgung einer Arztpraxis, Klinik, MVZ mit einer Honorarkraft weitestgehend sicher zu stellen.

Arbeitszeiten und Honorarmodelle

Bei der Honorartätigkeit eines Arztes sind zwei unterschiedliche Vergütungsmodelle denkbar. Zum einen eine Tagespauschale, die von einem niedrigeren Stundenhonorar ausgeht, dafür aber eine Regelarbeitszeit von 8 Stunden zugrunde legt, unabhängig davon, ob die entsprechende Arztpraxis 8 Stunden oder nur 4 Stunden an den unterschiedlichen Wochentagen geöffnet hat. Bei der schwächeren Honorargruppe Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Gynäkologie, Pädiatrie werden häufig Tagespauschalen von 350€ - 400€ angesetzt. Dies ist dann der Fall, wenn eine Praxis einen oder mehrere Tage nur halbtags geöffnet hat. An Tagen, an denen eine Praxis mindestens 8 Stunden Betrieb aufweist, wird in der Regel stundengenau abgerechnet. Eine stundengenaue Vergütung von halben Tagen wird in der Regel als unattraktiv empfunden. Dies sorgt dafür, dass eine Honorartätigkeit in der entsprechenden Praxis nur dann wahrgenommen wird, wenn nicht auf finanziell attraktivere Honorartätigkeiten in anderen Einrichtungen ausgewichen werden kann. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass Honorarärzte oft bundesweit arbeiten und daher den gesamten Arbeitstag zur Verfügung stehen, und zwar unabhängig davon, ob Ihre Arbeitsleistung im vollen Umfang von Seiten des Auftraggebers abgerufen wird.

Zusatzkosten zum Honorar für den Auftraggeber

Unterkunftspauschale

Bei der Anwerbung eines Facharztes als freier Mitarbeiter im Rahmen einer Honorartätigkeit, ist es wichtig, eine Unterkunftspauschale zu veranschlagen. In der Regel wird die Unterkunft vom Auftraggeber, also von Seiten der Arztpraxis, Klinik, MVZ gestellt. Deshalb ist die Bereitstellung einer Unterkunft oder die Auszahlung einer Unterkunftspauschale ein Kriterium dafür, welches Vertretungsangebot ein möglicher Honorararzt wahrnimmt. Honorarärzte sind im Regelfall bundesweit tätig und aufgrund dessen in Lage, an gebotene Honorartätigkeiten miteinander zu vergleichen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, der weiterhin dafür sorgt, dass eine medizinische Einrichtung, die einen Honorarvertreter beschäftigen möchte, bundesweit suchen muss. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein Honorararzt aus der näheren Umgebung gefunden werden kann, um Personalbedarf zu decken. Dies gilt insbesondere für die starke Honorargruppe, wie sie oben definiert wurde. Ebenso für Fachärzte, die zusätzlich zur Facharztbezeichnung über Schwerpunkte, Zusatzbezeichnungen oder bestimmte Tätigkeitsschwerpunkte verfügen müssen. Wenn eine Unterkunft nicht gestellt wird, kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass ein Honorararzt auf freier Basis zur Verfügung steht. Anders als bei der Vergütung wird die Unterkunft in der Regel für jeden Tag des Zeitraumes, währenddessen der Arzt einer Einrichtung zur Verfügung steht, bereitgestellt. Dies gilt auch für die Wochenenden, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass eine Honorarkraft während der Wochenenden und der arbeitsfreien Tage mit sämtlichem Gepäck an ihren Heimatort/ festen Wohnsitz zurückkehrt. Für die Bereitstellung der Unterkunft in einem Hotel oder einer angemessenen Pension sollte eine Pauschale von 70€ pro Tag eingerechnet werden.

Übernahme der Benzinkosten für Hausbesuche

Hausärztliche Praxen befinden sich oft in der Sondersituation, dass zusätzlich zum Praxisbetrieb Hausbesuche anfallen. In diesem Fall sind die Benzinkosten, die im Rahmen der getätigten Hausbesuche anfallen, üblicherweise von der Hausarztpraxis zu übernehmen. Dabei handelt es sich um keine gesetzliche Verpflichtung. Es zeigt sich immer wieder, dass die Übernahme der Benzinkosten im Rahmen der Hausbesuche durch die Arztpraxis nicht nur zu den gängigen finanziellen Aufwendungen gehört, denen sich eine hausärztliche Praxis ausgesetzt sieht, sondern dass es sich bei diesem Punkt um eine vertrauensbildende Maßnahme handelt. Dies kann ein ebenso ausschlaggebendes Kriterium bei der Suche nach einem Honorararzt sein, wie die Frage der bereitgestellten Unterkunft.

Verpflegung

Viele Kliniken und Rehazentren stellen nicht nur eine Unterkunft zur Verfügung, sondern bieten die Bereitstellung von Verpflegung an. Hierbei wird oft auf die im Haus zur Verfügung stehenden Kantinen oder Mitarbeitermensen zurückgegriffen. Wenn finanziell etwas Spielraum von der nach einem Vertretungsarzt suchenden Seite vorhanden ist, sollte in Erwägung gezogen werden, ob nicht eine Pauschale für die Verpflegung ausgezahlt wird. Diese Fragen müssen vor allen Dingen Arztpraxen und MVZ’s beantworten, die eher eine Pauschale für die Verpflegung auszahlen müssten, als auf eine hausinterne Lösung zurückgreifen zu können. Ein wöchentliches Kostgeld von ca. 100€ ist als Geste sicherlich ein Aspekt bei der Frage, für welche Vertretungsangebote sich ein Honorararzt entscheidet.