Für den Honorararzt

Wenn Sie als Honorararzt eine Vertretung übernehmen möchten, ist es wichtig einige grundlegende Aspekte zu beachten, die ein Vertretungsarzt unbedingt wissen muss. So müssen Sie zum Beispiel als Honorararzt über eine geeignete Berufshaftpflichtversicherung verfügen. Verlassen Sie sich als Vertretungsarzt nicht auf einen Versicherungsschutz, der Ihnen von Dritten zugesagt wird, sei es von Seiten einer Klinik oder einer vermittelnden Agentur. Nichts schützt einen Vertretungsarzt im Streitfall besser, als eine eigene Versicherung, da Sie nur dann sicher sein können, dass die Versicherungsbeiträge ebenso gezahlt worden sind, wie auch, dass Ihre Tätigkeit im Leistungspaket des Versicherungsgebers enthalten ist. Darüber hinaus sollten Sie keine Honorarvertretung als Honorararzt übernehmen, wenn kein Honorarvertrag geschlossen worden ist. Nichts sichert Sie mit Ihren Rechnungsforderungen für ein Honorar besser ab, als ein vor Beginn der Honorartätigkeit unterzeichneter Honorarvertrag. Eine steuerliche Beratung ist für einen Vertretungsarzt ebenso wichtig, wie für einen festangestellten Arzt. Damit Sie als Honorararzt am Ende des Jahres aufgrund Ihrer Steuererklärung finanziell nicht schlechter gestellt sind, als ein Arzt in einer festen Anstellung, ist es wichtig, dass Sie in Ihrer Steuererklärung alle Belastungen aufführen, denen Ihr Honorar ausgesetzt ist. Oft hat ein Vertretungsarzt nach Rechnungsstellung den Eindruck, dass das Brutto- Honorar dem entspricht, was nach Abzug der Steuern übrig bleibt. Dieser Eindruck ist nachhaltig falsch.

Es kann durchaus sein, dass ein Bruttolohn der um einem Drittel unter einem ausgezahlten Honorar liegt, am Ende doch besser gestellt ist, da ein Honorararzt die gesamte Krankenversicherung und Altersvorsorge vollständig selber tragen.

Trotz des Mehraufwands, den Sie als Vertretungsarzt tragen müssen, kann es durchaus lohnend sein, als Honorararzt zu arbeiten.

Die Gründe hierfür liegen unter anderem darin, dass Sie im Rahmen Ihrer unterschiedlichen Vertretungsangebote zahlreiche Arztpraxen und Kliniken kennen lernen werden , von denen die eine oder andere sicherlich eine Perspektive aufzeigen kann, für di e Zeit, in der Sie nicht mehr als Vertretungsarzt arbeiten wollen.

Darüber hinaus ist eine Vertretungstätigkeit als Fachärztin oder Facharzt geeignet, wenn Sie einen Wiedereinstieg in die Tätigkeit als Ärztin oder Arzt nach einer längeren Auszeit suchen, zum Beispiel wie Sie die Elternzeit wahrgenommen haben.

Auch wenn es zahlreiche Aspekte gibt, die für einen Tätigkeit als Honorararzt sprechen, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es einige Risiken gibt, mit denen Sie sich als Honorararzt auseinandersetzen müssen.

Die steuerlichen Punkte sind oben bereits angesprochen worden, ebenso wie der Punkt der berufshaftpflicht Versicherung. Darüber hinaus sollten Sie vermeiden, dass man Ihnen Scheinselbstständigkeit vorwirft. Es ist deshalb notwendig, innerhalb eines Kalenderjahres für mehr als einen Auftraggeber zu arbeiten. Wenn Sie generell vorhaben für mehr als einen Auftraggeber einen Honorartätigkeit als Arzt durchzuführen, dann sollten Sie fernerhin berücksichtigen, dass die Rechnungsstellung auf ordentliche Weise durchgeführt werden muss. Rechnungsnummern müssen fortlaufend sein, es muss eine Kundennummer für den Auftraggeber geben. Darüber hinaus sollten Sie sich immer nach der Privatadresse eines Auftraggebers erkundigen, wenn Sie in einer Arztpraxis als Vertretungsarzt arbeiten. Leider sind nicht alle Ärzte und Kliniken, die einen Honorararzt als Vertretungsarzt für einen ausgefallenen Kollegen einsetzen zahlungswillig oder zahlungsfähig.

Darüber hinaus ist es wichtig, rechtszeitig einen Überblick über die Auftragslage zu haben, damit Sie als Vertretungsarzt nicht in die Situation kommen, schlechte Vertretungsangebote, die Ihren medizinischen und persönlichen Interessen nicht entgegenkommen wahrnehmen zu müssen, um einen Ausfall von Honorar zu kompensieren.

Für die Praxis/Klinik Beachtenswertes bei der Anwerbung eines Vertretungsarztes

Wenn Sie als Klinik einen Vertretungsarzt suchen, dann gilt es bei der Organisation einer Honorarvertretung einige Dinge zu beachten. Prüfen Sie bitte zunächst, welche Qualifikation der Vertretungsarzt mit bringen muss.

Die nachgefragten Qualifikationen einen Honorararztes haben nicht nur einen Einfluss auf das Honorar, das der Vertretungsarzt für seine Vertretungstätigkeit als angemessen betrachten wird, sondern auch auf die Erfolgsaussichten mit der die Suche nach einem geeigneten Vertretungsarzt betrieben wird.

Hinzu kommt, dass bei der Kostenkalkulation für die Ausgaben, die zusätzlich zum Honorar des Vertretungsarztes anfallen Kosten für die Unterkunft und die Verpflegung beachtet werden müssen.

Generell gilt, das bei der Organisation einer Honorarvertretung, sei es in einer Arztpraxis, sei es in einer Klinik oder in einem Rehazentrum ein Honorarvertrag mit dem entsprechenden Vertretungsarzt geschlossen werden muss.

In diesem Honorarvertrag muss zusätzlich zum Honorar des Vertretungsarztes geklärt sein, welches Honorar der Vertretungsarzt für die Ableistung von Rufbereitschaften und Notdiensten erhält. Es wird häufiger ein etwas geringeres Honorar für die Ableistung eines Bereitschaftsdienstes gezahlt, als für den Regeldienst. Es sollte allerdings berücksichtigt werden, dass eine Honorarvertretung für einen Honorararzt attraktiv sein muss und viele Honorarärzte eine Honorarvertretung nicht übernehmen, wenn zu viele Dienste mit deutlich geringerem Honorar anfallen.

Damit es im späterhin keinen Streit zwischen einer Praxis oder einer Klinik mit dem entsprechenden Vertretungsarzt gibt, sollten deshalb die oben genannten Punkte alle im Honorarvertrag benannt werden.